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Berichterstattung zur Zeitarbeit: AMP-Stellungnahme zum Frontal21-Beitrag

Frontal21 hat unter dem Titel „Jobs auf Abruf / Fette Gewinne mit Zeitarbeitern“ über die Zeitarbeit berichtet. Tenor der Sendung war, dass Zeitarbeitnehmer schlecht bezahlt würden und in den Unternehmen immer mehr Stammarbeitskräfte verdrängten. Dieser tendenziösen Berichterstattung haben wir eine entsprechende Stellungnahme entgegengesetzt, die Sie zu Ihrer Information in der Anlage finden.

Vorstandssprecher: Peter Mumme stellvertretende Vorstandssprecher: Roland Brohm, Helmut Syfuß

ZDF
Redaktion Frontal21
Herrn Steffen Judzikowski
Herrn Hans Koberstein
Herrn Herbert Klar
Unter den Linden 36 - 38
10117 Berlin


16. Mai 2007

Ihr Beitrag in Frontal21 vom 15.05.07
„Jobs auf Abruf / Fette Gewinne mit Zeitarbeitern“


Sehr geehrter Herr Judzikowski,
sehr geehrter Herr Koberstein,
sehr geehrter Herr Klar,

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag über die Zeitarbeit gesehen, denn als mitgliederstärkster Arbeitgeberverband der mittelständischen Personaldienstleister sind wir natürlich an der Medienberichterstattung über unsere Branche sehr interessiert.

Innerhalb Ihres informativen Berichtes gab es einige Aussagen, die mich dann doch etwas irritiert haben. So wurde z.B. behauptet, dass Zeitarbeitnehmer „täglich ihre Arbeit verlieren“ könnten. In dieser verkürzten Form entsteht der Eindruck, als ob Zeitarbeitskräfte vogelfrei wären und keinen Kündigungsschutz hätten. Das ist jedoch keineswegs der Fall: Zeitarbeitnehmer sind Angestellte der Zeitarbeitsunternehmen und genießen dort Kündigungsschutz wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Der einzige Unterschied ist, dass sich die Kundenunternehmen der Zeitarbeit von Zeitarbeitskräften von einem Tag auf den anderen trennen können. Das Risiko trägt in einem solchen Fall der Personaldienstleister, denn die Zeitarbeitnehmer bleiben beim Zeitarbeitsunternehmen angestellt und beziehen selbstverständlich weiterhin ihr Gehalt. Überrascht war ich von Ihrer Information, dass die Zeitarbeitnehmer im Leipziger BMWWerk als Facharbeiter arbeiten, aber „als Helfer bezahlt“ werden. Eine solche Bezahlung wäre nach den geltenden Tarifverträgen unserer Branche nicht zulässig, weil die Mitarbeiter der Zeitarbeitsunternehmen exakt nach den von ihnen ausgeübten Tätigkeiten bezahlt werden müssen. Wenn also die Zeitarbeiternehmer bei BMW tatsächlich als Facharbeiter eingesetzt werden, haben sie nach Tarifvertrag Anspruch auf einen Stundenlohn von 9,91 €. Bei der tarifvertraglich festgeschriebenen 35-Stunden-Woche ergibt sich somit ein Bruttogehalt von 1.503,05 € monatlich – ohne Zuschläge wie z.B. für Mehr-, Nacht- oder Feiertagsarbeit.

Der hier zitierte Tarifvertrag für die Zeitarbeitskräfte wurde übrigens von einer Tarifgemeinschaft des DGB, der u. a. auch die IG Metall (!) angehört, abgeschlossen, denn im Leipziger BMW-Werk sind nur Zeitarbeitsunternehmen tätig, die einen DGB-Tarifvertrag anwenden. Dass BMW in Leipzig diese ansonsten ungewöhnlich hohe Anzahl von Zeitarbeitnehmern einsetzen kann, geschieht seit Gründung dieser Produktionsstätte mit dem Einverständnis des BMW-Betriebsrates und der IG Metall. Das Leipziger BMW-Werk ist aber – entgegen dem Eindruck, den Ihr Bericht vermittelt – die Ausnahme beim Einsatz von Zeitarbeitskräften. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die als aufsichtsführende Behörde die Zeitarbeitsbranche zweimal im Jahr statistisch erfasst, sprechen nämlich eine ganz andere Sprache: 15,5% der Zeitarbeitnehmer sind nur bis zu einer Woche beschäftigt, und 46,2% der Zeitarbeitskräfte arbeiten zwischen einer Woche und drei Monaten bei Zeitarbeitsunternehmen. Angesichts solcher Zahlen über die „Verweildauer“ ist die Unterstellung, dass durch Zeitarbeitnehmer zunehmend Stammkräfte verdrängt würden, beim besten Willen nicht haltbar.

Ähnliches gilt für die Aussage in Ihrem Bericht „Einmal Leiharbeit – immer Leiharbeit“, für die ebenfalls die im BMW-Werk Leipzig eingesetzten Zeitarbeitskräfte als Kronzeugen angeführt werden. Diese Aussage mag im Fall BMW vielleicht zutreffend sein, für die Zeitarbeit im Allgemeinen stimmt das jedoch definitiv nicht: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wechseln ca. 30% der Zeitarbeitnehmer nach ihrer Tätigkeit in Kundenunternehmen der Zeitarbeit zu einer Festanstellung bei anderen Unternehmen. Davon werden ca. 15% direkt von dem Kundenunternehmen übernommen. Den anderen 15% gelingt es durch anderweitige Bewerbungen in der Phase der Zeitarbeit eine Festanstellung in einem anderen Betrieb zu finden. Die Bedeutung der Zeitarbeit gerade für einen Übergang in so genannte konventionelle Arbeitsverhältnisse ist also kaum zu überschätzen. Zeitarbeit erfüllt damit mehr und mehr eine Rekrutierungsfunktion für Unternehmen, die potentielle Arbeitnehmer während einer Überlassung in ihrem Betrieb gründlich kennen lernen und so das geeignete Personal finden können. Unsere Branche entlastet so Unternehmen wie auch Arbeitsagenturen gleichermaßen und eröffnet Arbeitnehmern realistische Chancen für eine Übernahme in Stammbelegschaften.

Eine letzte Anmerkung zu Ihrem Beitrag: Sie sprechen darin immer nur von „Leiharbeitern“. Dieser Begriff wird besonders von den Mitarbeitern der Zeitarbeitsunternehmen als ausgesprochen diskriminierend empfunden, die sich durch diese Bezeichnung diffamiert und nicht als vollwertige Arbeitnehmer anerkannt fühlen. Deshalb sprechen wir bewusst von „Zeitarbeitnehmern“ oder „Zeitarbeitskräften“ und versuchen auch, diese Begrifflichkeiten in der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik zu etablieren.

Um Ihnen weitere Hintergrundinformationen zu unserer Branche zur Verfügung zu stellen, lege ich Ihnen die Publikation Zeitarbeit – Das Branchenportrait bei. Das Branchenportrait liefert Daten und Statistiken zur Zeitarbeit, berichtet über deren Geschichte, stellt die rechtlichen Rahmenbedingungen vor, beleuchtet die Gründe für den Einsatz von Zeitarbeitspersonal, zeigt Unterschiede beim Einsatz und der Bewertung von Zeitarbeit in Europa auf und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen. Für Rückfragen zum Themenkomplex Zeitarbeit stehe ich Ihnen aber auch gern persönlich zur Verfügung und würde mich über ein Gespräch mit Ihnen freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Hetz
Hauptgeschäftsführer

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