BA-Vorstand arbeitet auf Beitragssenkung hin
Presse-Information Nr. 74/02 der Bundesanstalt für Arbeit vom 19.12.2002
Der
Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit will mittelfristig die
Voraussetzungen für eine Senkung der Beiträge schaffen. Den
mittlerweile genehmigten zuschussfreien Haushalt für 2003 sieht er als
ersten Schritt. Risiken aufgrund der prognostizierten ungünstigen
Arbeitsmarktlage will er mit einem umfangreichen Programm begegnen. Es
reicht von einer Stärkung der Vermittlung über die schnelle
Arbeitsaufnahme von Personal-Service-Agenturen bis zu einer Optimierung
der Arbeitsförderung. Einem wirtschaftlichen Umgang mit dem Geld der
Beitragszahler sieht sich der Vorstand besonders verpflichtet.
Vermittlungsoffensive wird verstärkt
Die Arbeitsämter verstärken 2003 die in diesem Jahr begonnene
Vermittlungsoffensive. Dazu stockt der Vorstand die Zahl der Vermittler
deutlich auf. Für drei Jahre werden 2.069 zusätzliche Arbeitsvermittler
angesetzt. Einschließlich interner Umschichtungen gibt es im nächsten
Jahr 4.069 Arbeitsvermittler mehr als 2001, insgesamt 12.500.
Im Januar beginnt die Einrichtung von Personal-Service-Agenturen
(PSA). Sie nehmen sukzessive ihre Arbeit auf. Zum Jahresende sind etwa
300 PSA vorgesehen, mindestens eine in jedem Arbeitsamtsbezirk, in
größeren mehrere. 2003 sollen mindestens 50.000 Arbeitslose im
Jahresdurchschnitt in PSA beschäftigt sein.
Internet-Center in allen
Arbeitsämtern erleichtern ab 2003 den Arbeitslosen die Stellensuche.
Arbeitslose, die keine Erfahrung mit dem Internet haben, werden
geschult.
Ab sofort gilt: Eine zumutbare Arbeit ist besser als keine Arbeit.
Von jedem Arbeitslosen werden Eigenaktivitäten verlangt, die er
nachweisen muss. Entsprechend der neuen Zumutbarkeitsregelung wird vor
allem von jüngeren Arbeitslosen regionale Mobilität erwartet.
Förderangebote für 20 Prozent der Arbeitslosen
Trotz geringerer finanzieller Mittel werden wie in diesem Jahr 20
Prozent der Arbeitslosen in Maßnahmen der Arbeitsförderung einbezogen.
Erreicht wird das durch wirtschaftlichen Mitteleinsatz, passgenaue
Maßnahmeauswahl und die Nutzung der Personal-Service-Agenturen.
Die Wirksamkeit und Qualität arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen wird erhöht.
Hierfür werden die Eingliederungs- und Verbleibsquoten genutzt.
Für
den Bereich der beruflichen Qualifizierung wird ein Mindeststandard
eingeführt. Es wird erwartet, dass 70 Prozent der Teilnehmer ein halbes
Jahr nach Lehrgangsende nicht mehr arbeitslos sind.
Auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen müssen einen Beitrag zur
Integration in den ersten Arbeitsmarkt leisten. ABM-Verträge sollen in
der Regel auf ein halbes Jahr befristet sein und
Qualifizierungselemente enthalten.
Priorität für Wirtschaftlichkeit
Wirtschaftliches Handeln hat Priorität. Gegenüber den
Beitragszahlern besteht eine besondere Verpflichtung. Ihren Interessen
wird dadurch Rechnung getragen, dass Arbeitslosigkeit verhindert und
verkürzt wird. Dazu gehört, dass Stellen akquiriert und schnell besetzt
werden.
Der Vorstand will die Voraussetzungen für eine mittelfristige
Senkung des Beitrags schaffen. Der erste Schritt zu diesem Ziel ist der
mittlerweile genehmigte zuschussfreie Haushalt für 2003. Über den
Haushalt der Bundesanstalt für Arbeit werden in nennenswertem Umfang
versicherungsfremde Leistungen finanziert. Der Vorstand wird diese
zusammen mit der Selbstverwaltung entsprechend den Empfehlungen der
Hartz-Kommission quantifizieren.
2003 werden alle Anstrengungen darauf gerichtet, dass auch im
Jahresverlauf trotz prognostizierter höherer Arbeitslosigkeit kein
Zuschuss nötig wird. Die Kündigungsfrist wird für Beratung und
Vermittlung genutzt. Leistungsempfänger werden frühzeitig und
vorrangig in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen einbezogen.
Neues Ziel - und Führungssystem
Geführt wird in der neuen Bundesanstalt für Arbeit über
geschäftspolitische Ziele und fachliche Standards. Die operativen
Einheiten verantworten ihre Ergebnisse.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten mehr Kostentransparenz, um Kostenbewusstsein entwickeln zu können.
Gesteuert wird über Ziele. Maßstäbe für den Erfolg sind die
Begrenzung von Arbeitslosigkeit, die Qualität der Dienstleistungen,
motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden. Das Controlling wird dazu
ausgebaut und konsequent genutzt.
Jedes Arbeitsamt erarbeitet bis zum 1. Februar 2003 sein regionales
Arbeitsmarktprogramm. Darin werden die eigenen Aktivitäten auf die
bundesweiten geschäftspolitischen Ziele und eventuellen Regionalziele
ausgerichtet.
Ab 2003 gibt es monatliche Soll/Ist-Vergleiche. Mit den
Landesarbeitsämtern und den Arbeitsämtern findet ein laufender Dialog
über die Zielerreichung statt. Das ermöglicht, wenn nötig, zeitnahe
Nachsteuerung.
Die Leistungsfähigkeit wird durch interne Leistungsvergleiche
innerhalb vergleichbarer regionaler Arbeitsmärkte gesteigert. Vorbild
zur Optimierung der eigenen Praxis ist der jeweils „Klassenbeste“.
Landesarbeitsämter und Arbeitsämter werden nach dem Muster des
Vorstandes in Nürnberg künftig von einem Führungsteam mit verteilten
Aufgaben geführt.
Umbau im entscheidenden Stadium
Der Vorstand begrüßt es, dass beide Gesetze zur Umsetzung des
Hartz-Konzeptes nach der Einigung im Vermittlungsausschuss schnell in
Kraft treten können.
2003 tritt der Umbau der Bundesanstalt für Arbeit zu einem modernen
Dienstleister in ein entscheidendes Stadium. In der Zentrale erarbeiten
25 Projektgruppen mit Hilfe externen Sachverstandes die Grundlagen
dafür. Die Projekte reichen von der Erarbeitung eines neuen Leitbildes,
über Steuerung und Controlling, die Steigerung der operativen
Leistungsfähigkeit und ein neues Personalmanagement bis zu den
künftigen Strukturen der Dienststellen.
Sobald ein Projekt abgeschlossen ist, werden Vorstand und
Selbstverwaltung über die Ergebnisse beraten und Entscheidungen
treffen. Die Umsetzung erfolgt dann Schritt auf Schritt.
Chance für einfache Beschäftigungsverhältnisse
Ausdrücklich begrüßt wird die geplante Ausweitung der bisherigen
325-Euro-Jobs. Das ermöglicht deutlich mehr Arbeitsplätze im
Niedriglohnsektor. Hilfreich ist vor allem die Entlastung der
Arbeitnehmer mit Einkommen zwischen 400 und 800 Euro Monatsverdienst.
Dadurch wird reguläre Teilzeitarbeit attraktiver.
Kontraktmanagement angestrebt
Mit der Bundesregierung möchte der Vorstand künftig ein
Kontraktmanagement vereinbaren, wie es auch von der Hartz-Kommission
vorgeschlagen wird. Wesentliche Elemente wären: eine mehrjährige
Rahmenvereinbarung, spezifische jährliche Zielvereinbarungen und
gemeinsame jährliche Festlegung von Leistungskriterien.
Einfacheres Leistungsrecht angemahnt
Der Vorstand erwartet vom Gesetzgeber eine deutliche Reduzierung der
komplexen Regelungen im Leistungsrecht und eine deutliche Reduzierung
der Programmvielfalt bei den arbeitsmarktpolitischen Instrumenten.
Außerdem hat er den Wunsch, dass Gesetze künftig länger Bestand haben,
damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer Aufgabenerledigung
Routine entwickeln können.